Rehabilitation unter sehr herausfordernden Umständen – Odyssee durch Dresden für einen PCR-Test

Was tun, wenn das Testzentrum trotz Terminvergabe geschlossen ist?

Das Corona-Testzentrum am Hygienemuseum Dresden war am Samstag, 27.11.21 trotz Terminvergabe geschlossen. Dresden, 27.11.2021, Maren Martini

3G – Gemeinsam für ganzheitliche Gesundheit

 

Ende Oktober 2021 bekam ich endlich nach drei Monaten Wartezeit den Bewilligungsbescheid von der Rentenversicherung für meine Reha.

 

Sofort habe ich mich gekümmert, dass ich einen Platz in der Reha-Klinik in Bad Elster bekomme. Es dauerte nicht lange, bis ich Rückmeldung von der Klinik bekam, dass meine Anreise am 29.11.2021 möglich wäre. Im ersten Moment war ich froh, denn es ist der Geburtstag meiner Großmutter und sah es als Wink. Dennoch war ich etwas überfordert, weil alles in kurzer Zeit organisiert werden musste, vor allem wollte ich meine gerade erkältete Tochter versorgt wissen. Ich weiß nicht, was mich erwartet. Dies bedeutet, ich werde flexibel und geduldig sein.

 

Formulare mussten ausgefüllt und an die Krankenkasse und Rentenversicherung geschickt werden. Meine Befunde und Unterlagen musste ich vom Arzt holen, den Zug raussuchen, Zugfahrkarten anfordern, Gepäck sortieren, packen und abholen lassen. 

 

Ich bestätigte den Kliniktermin und die Klinik schickte mir alle Unterlagen. Ich musste die Gutscheine für die Bahntickets direkt bei der DB in Frankfurt beantragen. Das ging leider nur per Fax oder Post. Wer nutzt heute noch ein Faxgerät? Ich habe es per Post und Mail verschickt. Auf die E-MAIL bekam ich keine Rückmeldung. Die Fahrkarten und die Gepäck Aufträge kamen rechtzeitig mit der Post. 

 

Da ich ohne PCR-Test nicht in der Klinik aufgenommen würde, buchte ich am 14.11. einen Termin um 9:55 Uhr in einem Testcenter. Nach §4 der TestV ist es möglich, bei Reha etc. einen kostenlosen “verordneten” PCR-Test durchzuführen. So buchte ich einen für Samstag Vormittag, da gesagt wurde, dass das Ergebnis am Sonntag vorliegen würde, was mir genügte, um am Montag reisen zu können. 

 

Zu diesem Zeitpunkt war die Verpflichtung von 3G in Bus, Bahn und Zug noch nicht verfügt worden. Meinen ersten Schock bekam ich am 23.11.21,  da ich am 24.11.21 geplant hatte von Rostock nach Dresden zurückzufahren. Am 23.11.21 wurde 3G verhängt ohne Rücksicht auf die jeweiligen Umstände der Menschen.

 

Screenshot DB-3G
Screenshot DVB AG, 23.11.2021

 

 

Ich organisierte mir unkompliziert online einen Bürgertest-Termin in einer Rostocker Apotheke für den Mittwochmorgen vor meiner Abfahrt. Weil man vor einer Reise nichts Besseres zu tun hat. Seit diesem Schnelltest schmerzt meine Nase und am Freitag Morgen wachte ich auf mit Blut verkrusteter Nase und es kam blutiger Schleim heraus. Wenn das keine Körperverletzung ist? Und das ist wofür? Ich fühle mich seitdem nicht gut. Ein Test, der nicht 100% ausschließen kann, ob ich das Virus in mir habe. 

 

Mein Gepäck wurde am Freitagabend durch Hermes abgeholt. Alles lief reibungslos. Der Fahrer war sogar eher da und rief kurz durch. Mir war es recht, dass ich nicht so lange warten musste bei einem Zeitfenster von drei Stunden.

 

Samstagmorgen stand der PCR-Test für die Reha an. Ich fuhr 09:20 Uhr mit der Straßenbahn zum Hygienemuseum. An der Haltestelle, wo ich aussteigen wollte, fuhr der Fahrer gleich durch, obwohl ich gedrückt hatte. So musste ich zurück laufen und kam kurz vor knapp am Hygienemuseum Dresden, welches zur Zeit leider geschlossen hat, an. Ich war nicht die Einzige, die das Testzentrum nicht fand. Dass es auf der anderen Seite in einem Container war, erfuhren wir von einem Wachmann des Museums. Er erwähnte, dass das Testzentrum geschlossen wäre. Aber wir sagten, dass wir einen Termin hätten…

Am Container angekommen, standen schon einige Menschen und schauten etwas hilflos. Auf meine kurze Nachfrage erfuhr ich, dass das Testzentrum geschlossen war. Was jetzt? Einige erzählten, dass da niemand im Zentrum war und auch keine Information hinge. Telefonisch war keiner erreichbar und ich habe meine Beschwerde per E-Mail zum Ausdruck gebracht. Ein Zettel hätte vollkommen ausgereicht. Andere schauten nach alternativen Testzentren auf ihren Handys. Einen Schnelltest zu bekommen, ist kein Problem, aber einen verordneten PCR-Test? Doch ich bin mir sicher, dass in Zeiten einer Online-Terminvergabe eine Absage an alle möglich gewesen wäre. Das wäre professionell und hilfreich gewesen.

Letztlich stand ich mit drei weiteren Frauen allein da. Ich rief kurzerhand meine Reha-Klinik an. Die wussten keinen Rat, nur dass ich ohne Test nicht zur Reha kommen konnte. Eine der drei Frauen telefonierte ebenfalls. Nebenbei hörte ich, wie sie vorschlug, dass wir uns alle in der Praxis einer ihr bekannten Ärztin testen lassen könnten. 

Wir verständigten uns kurz. Die dritte brauchte ebenfalls den Test für eine Klinik, so dass wir das Angebot dankend annahmen. So schlossen wir uns zu viert zusammen und fuhren gemeinsam durch die Stadt zum Weißen Hirsch wegen eines PCR-Tests. Das Schöne war: Wir teilten in dem Moment das gleiche Schicksal. Es herrschte Einigkeit und gemeinsam lässt sich so eine Situation besser ertragen und Lösungen finden sich. Die Details schildere ich nicht. Sie sind nicht ausschlaggebend. Alles in allem haben wir nach einer Odyssee die PCR-Tests absolviert. Doch statt einer halben war ich nach vier Stunden zuhause. Da ich unserer Fahrerin meine Visitenkarte in die Hand gedrückt hatte, um mit ihr in Kontakt zu bleiben, informierte sie mich später sympathischer Weise, dass die Tests, die dankenswerterweise von zwei der Frauen direkt ins Labor gebracht wurden, dort entgegengenommen worden sind. Ob wir das Ergebnis bis Montag haben? Darauf können wir nur hoffen und vertrauen. 

Ich bin dankbar für diese Umstände und habe so ein paar neue liebe Seelen kennengelernt. Wir haben uns gegenseitig gestützt und geholfen, damit wir diesen – für mich fraglichen – PCR-Test durchführen können. Ohne diese Frauen wäre ich ohne Test wieder heim gefahren und hätte meine Reha heute stornieren müssen. Es ist schlimm, dass uns für eine Reha, die wir nicht grundlos in diesen Zeiten wahrnehmen, so viele Steine in den Weg gelegt werden. Das ist die Realität. 

Anschließend spazierte ich durch die schöne Siedlung am Weißen Hirsch, kam zum Friedensblick und lief die Plattleite hinab über das Blaue Wunder und den Schillerplatz, wo ich noch einen Adventskalender ergatterte, war kurz entsetzt über „2G“ bei Thalia… Aber Bücher kaufe ich meist online. Von daher tangiert mich das wenig. Nur das Weihnachtsgeschäft für die Händler wird wohl nicht umsatzreich ausfallen. …und nach Hause.

 

Wunderbare Sicht auf Dresden – der Friedensblick Weißer Hirsch, Dresden, 27.11.2021, Maren Martini

 

 

 

 

 

 

Pergola am Friedensblick auf dem Weißen Hirsch, Dresden, 27.11.2021, Maren Martini

 

 

Plattleite – Weg vom Weißen Hirsch zum Körnerplatz, Dresden, 27.11.2021, Maren Martini

 

Zuhause angelangt, war ich fix und foxi, hungrig, durstig und müde, nahm ein Bad, kochte mir einen Tee und ruhte mich aus. Das war ein sehr bewegender und doch erfreulicher Samstag im November 2021. 

 

Mein Dank gilt diesen drei Frauen für ihr Engagement und der Ärztin, die uns dies an einem Samstag ermöglichte und das trotz voller Praxis.

 

So kann ich zum Abschluss dieses Tages sagen: Habt Vertrauen in euch und keine Angst! Lasst uns Gemüse genießen und ganzheitlich gesunden! Das ist für mich 2 und 3G!

Ganzheitliche Grüße und einen schönen ersten Advent in nah und fern wünscht

©Maren Martini 

Dresden, 27. November 2021 

PS: Mein Testergebnis kam am gleichen Abend und ist negativ. Danke auch an das Labor für die schnelle Auswertung!

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